Jammerbucht hält ihr Versprechen!
HSH Nordbank pre blue race wurde für die Josephine zum doppelten „Skagens Rev Race“
Verkehrte Welt für die nicht gerade klein geratenen Möwen an Dänemarks nördlichster Stelle: In der Nacht von Montag auf Dienstag dieser Woche sahen sie das Hauptfeld der Regatta in den frühen Morgenstunden die Tonne „Skagens Rev" runden, um sie dann in den Nachtstunden des Dienstags mit langen Armen und salzverkrusteten Augen an gleicher Stelle wieder zu sehen. Die meisten Segler, bis auf die Yacht UCA, hatten Skagen an einem Tag gleich zwei Mal gerundet.
Skagen reverse, was war passiert?
Aus der Sicht der Josephine vollzog sich der Start vor Kopenhagen vielleicht nicht als ganz optimal getimt, aber dennoch hoffnungsvoll nach einer klugen und rechtzeitigen Halse vor dem Schloss von Hamlet bei Helsingör. Aufgeschlossen zu den Großen des Teilnehmerfeldes ging es im Kattegat - an Anholt und Laesö vorbei - in Richtung Waypoint 1, die Nordtonne von Skagens Rev. Hier konnte man an den Inseln innen und außen vorbeisegeln. Erstaunlicherweise waren nach dem Rennen beide Parteien der Auffassung, hierbei die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Die nördliche Wendemarke umrundeten wir um 04:50 in guter Gesellschaft mit der TUI. Mit light winds aus raumen Richtungen ging es weiter in Richtung Jammerbucht. Beste Stimmung an und unter Deck auf der Josephine. Hatten vielleicht einige den Wetterbericht vergessen, den uns die aufmerksame Wettfahrtleitung per Schlauchboot ganz kurz vorm Auslaufen zustellen ließ? Stand nicht dort geschrieben, dass spätestens in der Jammerbucht mit starken westlichen Winden und hohem Seegang dasjenige Tief eintreffen würde, das vorher einigen Teilnehmers des Volvo Ocean Race im Atlantik größte Schwierigkeiten gemacht hatte…? Wie auch immer, wir waren „rum" und dies mit der festen Überzeugung an exponiert guter Stelle zu liegen, also weiter - egal, was da kommen möge.
Nach dem Wachwechsel um Mittag ging es dann bergab: von der Genua I auf die III, dann auf die IV, um schließlich bei dem letzten Segel des Tages anzukommen, der Sturmfock. Neben, vor und hinter uns wurden die häufig besungenen Nordsee-Wellen immer höher und bedrohlicher. Bei dann ziemlich konstanten 45 Knoten true wind und etwa fünf Metern an Wellenhöhe entschieden wir uns, die vor uns liegende 240 Seemeilen-Kreuz abzubrechen und besser die Rückreise von 55 Seemeilen in den geschützten Hafen von Skagen anzutreten.
Platt vor Lacken und nur unter Sturmfock erreichte die Josephine ihre neue Top-Geschwindigkeit von 20,5 Knoten. Neben uns erkannten wir noch eine Reihe von anderen Mitstreitern, die die gleiche Entscheidung getroffen hatten wie wir. Nach unseren Informationen kam nur die schnellste und größte Yacht, die UCA ins Ziel, der Rest gab aus seemännischen Gründen auf. Wieder hatte die Nordsee gewonnen und die Möwen schüttelten zu Recht ihre Köpfe.
Birger Steinbrück von der Segelyacht Josephine
Skagen, den 24.Mai 2006
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